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© Heike Rehm

Psychologische Sicherheit – damit Innovation entstehen kann

Innovation braucht neue Ideen, mutige Fragen und die Bereitschaft, Gewohntes infrage zu stellen. Doch selbst die kreativsten Menschen halten sich zurück, wenn sie befürchten müssen, für eine ungewöhnliche Idee belächelt oder für einen Fehler kritisiert zu werden.

Die Harvard-Professorin Amy C. Edmondson beschreibt psychologische Sicherheit als die gemeinsame Überzeugung eines Teams, dass es möglich ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen: Fragen zu stellen, Zweifel zu äußern, Fehler einzugestehen oder einer vorherrschenden Meinung zu widersprechen – ohne Angst vor Abwertung oder negativen Konsequenzen.

Psychologische Sicherheit ist damit ein wichtiger Nährboden für Lernen, Zusammenarbeit und Innovation.

Wenn gute Ideen unausgesprochen bleiben

In vielen Meetings entsteht schnell der Eindruck, es herrsche Einigkeit. Doch Schweigen bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Mitarbeitende behalten ihre Gedanken häufig für sich, weil sie nicht als kritisch, unwissend oder schwierig wahrgenommen werden möchten.

Das zeigt sich in typischen Situationen:

• Eine Idee wird nicht ausgesprochen, weil sie noch nicht ausgereift ist. 

• Ein Fehler wird verschwiegen, um nicht als inkompetent zu gelten. 

• Bedenken werden zurückgehalten, weil die Führungskraft bereits überzeugt wirkt. 

• Eine Verständnisfrage wird nicht gestellt, weil scheinbar alle anderen Bescheid wissen. 

• Bewährte Vorgehensweisen werden nicht hinterfragt. 

So gehen wertvolle Perspektiven verloren. Teams wiederholen bekannte Lösungen, Risiken werden zu spät erkannt und Innovation bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Psychologische Sicherheit ist keine Komfortzone

Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, dass immer Harmonie herrscht oder Leistung keine Rolle spielt. Sie ist kein Freibrief für Beliebigkeit und schützt nicht vor Verantwortung.

Amy Edmondson betont vielmehr das Zusammenspiel von psychologischer Sicherheit und hohen Ansprüchen. Innovation entsteht dort, wo Menschen offen sprechen können und gleichzeitig gemeinsam anspruchsvolle Ziele verfolgen.

In einem psychologisch sicheren Team darf kontrovers diskutiert werden. Ideen werden hinterfragt, Fehler analysiert und unterschiedliche Sichtweisen miteinander verbunden. Entscheidend ist, dass nicht die Person angegriffen wird, sondern gemeinsam an der besten Lösung gearbeitet wird.

Die besondere Rolle der Führungskraft

Führungskräfte prägen maßgeblich, ob Mitarbeitende den Mut haben, sich einzubringen. Dabei sind oft kleine Reaktionen entscheidend.

Wer auf eine ungewöhnliche Idee sofort mit „Das funktioniert doch nie“ reagiert, wird beim nächsten Mal vermutlich weniger Vorschläge erhalten. Wer dagegen interessiert nachfragt, signalisiert: Neue Gedanken sind willkommen – auch wenn sie noch nicht perfekt sind.

Psychologische Sicherheit lässt sich im Führungsalltag konkret stärken:

• Die eigene Unfehlbarkeit infrage stellen: „Ich habe noch nicht alle Antworten und bin an Ihren Perspektiven interessiert.“ 

• Andere Meinungen aktiv einladen: „Was übersehen wir gerade?“ oder „Wer sieht das anders?“ 

• Auf Fehler lernorientiert reagieren: Nicht zuerst nach Schuldigen, sondern nach Ursachen und Erkenntnissen fragen. 

• Unfertige Ideen zulassen: Neue Gedanken zunächst verstehen und weiterentwickeln, bevor sie bewertet werden. 

• Mut zur Offenheit würdigen: Mitarbeitenden danken, wenn sie Bedenken äußern oder schwierige Themen ansprechen. 

Innovation beginnt mit einer anderen Gesprächskultur

Innovative Teams haben nicht automatisch die besseren Ideen. Sie schaffen einen Rahmen, in dem mehr Ideen ausgesprochen, geprüft und gemeinsam weiterentwickelt werden können.

Eine einfache Frage kann dabei bereits einen Unterschied machen:

„Welche Idee würden wir diskutieren, wenn wir sicher sein könnten, dass sie nicht sofort bewertet wird?“

Oder zum Abschluss eines Meetings:

„Was wurde heute noch nicht ausgesprochen, könnte für unsere Entscheidung aber wichtig sein?“

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch eine einmalige Maßnahme. Sie wächst durch viele alltägliche Erfahrungen: Wie reagieren wir auf Fehler? Wie gehen wir mit Widerspruch um? Werden leise Stimmen gehört? Dürfen Ideen noch unfertig sein?

Denn Innovation braucht nicht nur Kreativität. Sie braucht vor allem ein Umfeld, in dem Menschen den Mut haben, ihre Kreativität sichtbar zu machen.

Möchten Sie die psychologische Sicherheit und Innovationsfähigkeit Ihres Teams stärken? Ich unterstütze Sie gerne im Rahmen eines Führungskräftecoachings, eines Trainings oder einer Teamentwicklung