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© Heike Rehm

Wertschätzung als Führungsaufgabe – warum gute Absichten allein nicht reichen

1. Wertschätzung als Führungsaufgabe – warum gute Absichten allein nicht reichen

Wertschätzung entscheidet mit darüber, ob Menschen sich gesehen fühlen, Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten engagiert einbringen. In meiner Arbeit mit Führungskräften und Teams erlebe ich immer wieder: Wertschätzung fehlt selten aus böser Absicht. Viele Führungskräfte schätzen ihre Mitarbeitenden und deren Einsatz. Zwischen Termindruck und operativen Herausforderungen wird diese Haltung jedoch nicht immer sichtbar.

Hinzu kommt: Menschen erleben Wertschätzung sehr unterschiedlich. Was für die eine Person eine besondere Anerkennung ist, hat für eine andere kaum Bedeutung. Gut gemeint ist deshalb nicht automatisch gut angekommen.

Was bedeutet echte Wertschätzung?

Wertschätzung bedeutet, einen Menschen mit seinen Fähigkeiten, Erfahrungen und Ideen wahrzunehmen und ihm respektvoll zu begegnen. Sie zeigt sich im täglichen Verhalten: aufmerksam zuhören, andere Sichtweisen ernst nehmen, Unterstützung anbieten, Verantwortung übertragen und Beiträge sichtbar machen.

Dabei geht es nicht nur darum, perfekte Ergebnisse zu loben. Auch Einsatz, Entwicklung, Mut und gegenseitige Unterstützung verdienen Anerkennung.

Wertschätzung bedeutet jedoch nicht, alles gutzuheißen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen. Sie ermöglicht es vielmehr, auch kritische Themen klar anzusprechen, ohne den Menschen abzuwerten.

Die unterschiedlichen Sprachen der Wertschätzung

Wertschätzung kann sich im Arbeitsalltag auf verschiedene Weise zeigen:

• Anerkennende Worte: Ein ehrliches Dankeschön oder eine konkrete Rückmeldung. 

• Ungeteilte Aufmerksamkeit: Ein Gespräch ohne Ablenkung und echtes Zuhören. 

• Praktische Unterstützung: Hilfe anbieten, Wissen teilen oder bei einer Herausforderung mitdenken. 

• Persönliche Gesten: Eine handgeschriebene Karte oder eine kleine, passende Aufmerksamkeit. 

• Verbindende Gesten: Ein Handschlag oder ein High-Five – sofern dies zur Beziehung passt. 

• Vertrauen und Zutrauen: Verantwortung übertragen, Freiräume geben und eigene Lösungen ermöglichen. 

Wir zeigen anderen Wertschätzung häufig so, wie wir sie selbst gerne erhalten würden. Doch unsere bevorzugte Form muss nicht zum Gegenüber passen.

Ein zurückhaltender Mitarbeiter freut sich beispielsweise möglicherweise nicht über eine überraschende Ehrung vor dem gesamten Team. Ein persönliches Gespräch und einige ehrlich gemeinte Worte würden ihn vielleicht deutlich stärker erreichen. Es geht daher nicht unbedingt um mehr Wertschätzung, sondern um die passende Form im passenden Moment.

Wertschätzung im Team zum Thema machen

Führungskräfte müssen nicht erraten, was ihre Mitarbeitenden brauchen. Sie dürfen danach fragen:

• Wodurch fühlen Sie sich bei der Arbeit wirklich gesehen? 

• Welche Form der Anerkennung ist Ihnen wichtig? 

• Wünschen Sie sich mehr Austausch, Unterstützung oder Freiraum? 

Auch im Team kann eine einfache Frage viel bewirken:

„Was hat in unserer Zusammenarbeit seit dem letzten Treffen gut funktioniert?“

Sie lenkt den Blick auf das, was im Alltag häufig übersehen wird, und macht gegenseitige Unterstützung sichtbar.

Wertschätzung beginnt mit echtem Interesse

Wertschätzung ist keine Technik und keine Checkliste. Sie ist eine Haltung, die sich im täglichen Miteinander zeigt. Für Führungskräfte bedeutet das, die eigene Perspektive immer wieder zu verlassen und aufmerksam zu fragen: Was braucht mein Gegenüber, um sich gesehen und in seinen Fähigkeiten bestärkt zu fühlen?

Nicht jede wertschätzende Geste muss groß sein. Oft sind es kleine, passende Momente, die den Unterschied machen. Denn Wertschätzung wirkt nicht durch das, was wir beabsichtigen, sondern durch das, was beim anderen ankommt.

Möchten Sie Wertschätzung in Ihrer Führungs- und Teamkultur stärken? Ich unterstütze Sie gerne im Rahmen eines Führungskräftecoachings, eines Trainings oder einer Teamentwicklung. Ich freue mich auf den Austausch.